Gute Führungskräfte: Was wir vom Fußball lernen können

Sommer 2020: Bayern München - FC Barcelona: 8:2.
Herbst 2019: Bayern München - Frankfurt 1:5.
Warum zwei Trainer mit einer Mannschaft so unterschiedliche Ergebnisse erzielen.

Vor ein paar Tagen hat der FC Bayern in der Champions League 8:2 gegen den FC Barcelona gewonnen. Es war fast die gleiche Mannschaft, die im Herbst 2019 gegen Frankfurt 1:5 verloren hat. Focus Online analysiert sehr interessant die Ursachen. Ich projeziere das auf den Führungskontext.

1. Der Trainer

Alle (nicht nur die Spieler) sind begeistert von Hansi Flick. Was macht er anders als seine Vorgänger? Er sei nicht so schroff wie Louis van Gaal, nicht manisch wie Pep Guardiola. Hansi Flick wird als emphatisch beschrieben, mit einem „liebevoll-konsequenten“ Ansprechverhalten gegenüber der Mannschaft. Wichtig sei ihm, dass die Spieler sich wohlfühlen, gerne zum Training kommen und gemäß ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. Und nicht im Mannschaftsgefüge herumgeschoben werden.
Hansi Flick betone den Gemeinschaftsgedanken. Alle Spieler haben die gleiche Freude und positive Einstellung. Das gegenseitige Vertrauen scheint unendlich vorhanden zu sein.

Was kann man lernen:
Spielfreude ist ein Erfolgsfaktor! Hören wir endlich auf, Wirtschaft als „ernste Angelegenheit“ zu betrachten. Allerdings müssen die „Spieler“ auch Anlass zur Freude haben - wir müssen sie schon wie wertvolle Menschen behandeln und nicht wie beliebig austauschbare Produktionsfaktoren.
Wenn diese Punkte nur Lippenbekenntnisse sind, wird ihre Organisation nicht gut funktionieren.


2. Führungsstil

Der Führungsstil muss zur Mannschaft passen.
Wie gesagt hatte Hansi Flick fast die gleiche Mannschaft wie Niko Kovac. Niko Kovac beklagte sich vor seinem letzten Spiel gegen Frankfurt „man muss die Spielertypen haben“. Seiner Meinung nach hatte er diese nicht. So ging das Spiel gegen Frankfurt  1:5 verloren. Ca. 9 Monate später haute die gleiche Mannschaft unter Hansi Flick den FC Barcelona mit 8:2 vom Feld.

Otto Rehhagel war der Startrainer bei Werder Bremen. Als er 1995 nach Bayern München ging, funktionierte er dort einfach nicht: Nach nicht einmal einer Saison wurde er gefeuert.

Pep Guardiolas Taktikanforderungen an die Mannschaft war berühmt-berüchtigt. Seine Umstellungen im laufenden Spiel haben oft nicht nur den Gegner verwirrt. Viele Spieler waren mit dem Kopf mehr bei der taktischen Umstellung als beim Spiel.

Niko Kovac konnte nicht mit den starken Persönlichkeiten der erfahrenen Spieler umgehen - aus Frankfurt kannte er den Umgang mit jungen, unerfahrenen Spielern, die ihm niemals widersprachen. In München haben Trainer und Mannschaft immer gegeneinander gearbeitet. Kovac konnte sich nie auf die Kritik der Mannschaft einlassen - schließlich war ER der Trainer. Was dann zu einer Mannschaftsrevolte mit anschließender Trainerentlassung führte.

Hansi Flick befreit seine Spieler von Dingen, die sie eher behindern. Er spielt taktisch ein einfaches System. Er gab ihnen das Vertrauen an die eigenen Fähigkeiten zurück - unter Kovac hielt sich selbst Thomas Müller eher für einen Ersatzspieler.

Was kann man lernen:
Die Mannschaft realisiert die Unternehmensvision, nicht die Manager. Achten Sie darauf, was Ihre Mannschaft braucht, um erfolgreich zu sein. Arbeiten Sie mit der Mannschaft, nicht gegen sie. Erfolg ist heute keine One-Man-Show mehr. Oft reicht es schon, alle Meldepunkte, Regeln und Vorschriften wegzuwerfen und die Leute einfach arbeiten zu lassen.


3. Gier

Hansi Flick zeichnet sich neben seiner großen Empathie dadurch aus, dass er extrem hohe Erwartungen an seine Mannschaft hat. Er hat eine große Gier nach Erfolgen. Aber nach gemeinsamen Erfolgen. Er nimmt seine Mannschaft mit und erzeugt in ihr diese unstillbare Gier nach Erfolg.

Was kann man lernen:
Und was schweißt eine Mannschaft zusammen? Teambuilding-Maßnahmen wie Tschacka-Tschacka-Veranstaltungen, Seilklettern oder Rafting-Touren? Vergessen Sie den Quatsch. Gemeinsamer Erfolg ist DER Kitt, der Menschen zusammen schweißt und eine Gier auf mehr macht.


Frank Feldhaus

Über den Autor

Berater für Führung und Organisation. Ärgert sich über alles was nicht funktioniert. Weiß aber, dass Perfektion schrecklich langweilig ist und dass wir Probleme brauchen, um daran zu wachsen. Ein ewiger Widerspruch...

Sie mögen vielleicht auch diese Artikel:

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>