Grundsätze guter Führung: #2 Sei kein Arschloch

Eigentlich bin ich der Überzeugung, dass Führungskräfte Menschen lieben sollten. Aber hier gehts ja um Mindestanforderungen an gute Führung - und da zitiere ich mal Dieter Zetsche, der einmal andeutend darauf, was ihn von seinem Vorgänger in Bezug auf Mitarbeiterführung unterscheide:

"Manchmal genügt es schon, kein Arschloch zu sein."

Dieter Zetsche

Gute Führung ist im Wesentlichen gekoppelt an einem echten Interesse an Menschen. Am Wunsch, mit ihnen gemeinsam Abenteuer zu erleben. Es geht um die Gestaltung eines gemeinsamen Weges - ein Weg, auf dem sich alle Beteiligten zumindest nicht ausgebeutet oder verachtet fühlen sollten. Das kennt doch jeder von sich selbst: Hat man morgens schon keine Lust zur Arbeit, entstehen dort auch keine großartigen Dinge. Kein Kunde wird sich von lustlosen Mitarbeitenden angezogen fühlen, kein Lieferant gerne mit ihnen zu tun haben. Und die Kolleginnen und Kollegen erst Recht nicht.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Es geht im Job natürlich immer um das Erzielen von Ergebnissen. Aber das funktioniert einfach um so besser, je wohler sich die Mitarbeitenden in ihrem Arbeitskontext fühlen:
Auf die Frage, warum die Mannschaft des FC Bayern unter Hansi Flick besser performt als unter Nikki Kovac, sagte Rummenigge: "Er hat ein unglaublich enges Verhältnis zu den Spielern, er ist empathisch, die Spieler glauben an ihn." Joshua Kimmich meinte: "Er vermittelt jedem bei uns Wertschätzung und Wichtigkeit." (Bericht auf focus.de).

Interessieren sie sich also wirklich für Ihre Leute und suchen Sie regelmäßig das Gespräch. Haben sie immer einen groben aktuellen Stand über Wohlbefinden, Nöte und Freuden ihrer Leute. Sie sollten wissen, was ihre Leute bewegt, was sie gerne anders machen würden oder was sie begeistert.

Vielen Führungskräften hilft es, kleine Notizen über ihre Leute zu führen. Klingt nach Stasi-Akte. Soll aber nur dem Gedächtnis von vielbeschäftigten Führungskräften helfen. So können sie z.B. immer Freitags die Notizen durchgehen und schauen, ob sie sich bei dem einen oder anderen den aktuellen Stand abholen sollten.

Wenn aber das institutionalisierte Jahresgespräch die einzige Gelegenheit eines tieferen Gesprächs mit ihren Leuten ist, läuft definitiv etwas falsch!

Halten sie Gespräche mit ihren Leuten ungezwungen und auch mal ohne offiziellen Termin. Oder vereinbaren Sie mit ihrem Ehepartner immer Gesprächstermine? Verbinden Sie das Gespräch vielleicht mit einem kleinen Gang „um den Pudding“, wie wir in Bremen sagen. Oder verbringen Sie die Mittagspause zusammen. Nicht unbedingt in der Kantine, gehen Sie mal auswärts essen - muss ja nichts Großes sein. Mit jungen Leuten kann man gerne mal in die Dönerbude gehen.

Lassen sie nicht zusehr den Chef raushängen. Wichtig ist zu vermitteln: ich sehe dich, ich interessiere mich für dich. Und ich erkläre dir gerne meine Haltung zu bestimmten Dingen.

Haben sie keine Angst vor ehrlichem, gut gemeinten Feedback ihrer Leute. Die größte Gefahr von Führungskräften ist, dass ihnen niemand mehr die Wahrheit sagen mag, weil sie sonst wieder explodieren.
Und überhaupt: Wer darf ihnen eigentlich die Wahrheit sagen?

Und wenn Sie dann tatsächlich noch dieses „Jahresgespräch“ machen müssen - dann kennen Sie sich inzwischen so gut, dass sie gemeinsam drüber lachen können, die Formalien schnell hinter sich bringen und sich wieder vernünftigen Dingen widmen können.
Dann so ein Jahresgespräch… ach, das ist ein anderes Thema!

Frank Feldhaus

Über den Autor

Berater für Führung und Organisation. Ärgert sich über alles was nicht funktioniert. Weiß aber, dass Perfektion schrecklich langweilig ist und dass wir Probleme brauchen, um daran zu wachsen. Ein ewiger Widerspruch...

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