Warum wir nicht (immer) effizient sein dürfen

08. Sep 21

Wir beschäftigen uns in unserem Arbeitsalltag oft mit Effizienz, so ja auch hier auf diesem Kanal. Aber manchmal hat es den Anschein, als ginge es NUR darum, anstehende Aufgaben möglichst schnell und damit effizient „wegzuprügeln“. Aber wodurch unterscheiden wir uns von unserem Wettbewerb? Klar ist es ein Wettbewerbsvorteil, wenn man tolle Produkte auch effizient und damit kostengünstig anbieten kann. Aber erst einmal sollte man doch dadurch auffallen, dass man großartige Produkte bzw. Dienstleistungen anbietet, oder? Und großartige Dinge entstehen nicht durch Effizienz, sondern durch Großartigkeit.

Daher sollten wir wichtige Aufgaben mit Sorgfalt und Hingabe erledigen – nicht mit Effizienz.

Wichtige Aufgaben, die uns unserem Ziel näher bringen, dürfen wir nicht an der Effizienz messen, mit der wir sie erledigen. Sondern an der Sorgfalt und Hingabe. Weil es unser Ziel sein sollte, wichtige Dinge nicht mittelmäßig zu tun, sondern großartig.


Eine kurze Begriffsdefinition

Bevor ich meine vielleicht etwas ungewöhnliche Haltung zur Effizienz weiter erkläre, hier zur Sicherheit eine Erläuterung der im Spiel befindlichen Begriffe:

Effizienz ist ein Maß für Wirtschaftlichkeit, eine Kennzahl die das Ergebnis mit dem dazu verwendetem Aufwand in Relation setzt. Es wird also der Output mit dem Input in Relation gesetzt. Ob der Output auch der gewünschte ist, spielt bei der Effizienz keine Rolle.

Effektivität ist ein Maß für Wirksamkeit, beschreibt also den Grad der Zielerreichung. Effektivität zeigt an, wie nah wir unserem Ziel gekommen sind. Der dazu notwendige Aufwand findet hier keine Erwähnung. 

In der Betriebswirtschaftslehre wird oft Peter Drucker zitiert, der unter diesen Begriffen folgendes verstand:

Effizienz: „Die Dinge richtig tun.“

Effektivität: „Die richtigen Dinge tun.“

In der Definition von Effizienz kommt Qualität, Kreativität oder gar Großartigkeit also gar nicht vor. Wenn Qualität, Kreativität und Großartigkeit für uns wichtig ist, müssen diese Begriffe in unsere Zieldefinition fließen. Dann wissen wir, dass wir nur wirksam und effektiv sind, wenn wir diese Maximen tatsächlich erreichen.


Man muss also erst den Kurs festlegen, dann das Fortkommen optimieren.

Gerade die Definition von Peter Drucker macht klar, dass erst die Effektivität geklärt werden muss, bevor man sich Gedanken über Effizienz macht. Es ist wie mit einem Ruderboot: wir können uns noch so sehr einen effizienten Ruderstil antrainieren – wenn der Kurs des Bootes nicht stimmt, ist Effizienz sinnlos, weil wir unser Ziel nicht erreichen. Erst mit dem richtigen Kurs, also mit der richtigen Definition von Effektivität, macht ein effizienter Ruderstil Sinn.

 

5 Tipps für exzellentes Arbeiten:


1. Unterscheiden Sie bei ihren Aufgaben zwischen „wichtig“ und „unwichtig“.

Wir können in unserem Arbeitsalltag nicht alle Dinge mit Hingabe tun. Und es verdienen auch nicht alle Dinge unsere Hingabe. Daher unterscheiden Sie die wichtigen Dinge (die, die sie ihrem persönlichen oder unternehmerischen Ziel näher bringen) von allen anderen. Auch von den dringenden Dingen – die sind nämlich selten wichtig.


2. Erledigen Sie unwichtige Dinge „gut genug“.

So gut wir versuchen, unwichtige Dinge zu vermeiden – es werden immer einige bleiben. Sie bleiben an uns haften wie ein Kaugummi an der Schuhsohle. Aber sie verdienen es nicht, mit Hingabe erledigt zu werden. Es reicht, wenn sie „gut genug“ erledigt werden. Also so gut wie nötig, aber nicht so gut wie möglich. Alles andere wäre Verschwendung und ginge auf Kosten der wichtigen Dinge.


3. Erledigen Sie wichtige Dinge mit Sorgfalt und Hingabe

Wirklich wichtige Dinge haben Bedeutung. Für unsere Zielerreichung, für unser Projekt. Für unser Außenbild. Für unser Selbstverständnis. Erledigen Sie diese Aufgaben ohne auf die Uhr zu schauen. Ohne Aufwand zu scheuen. Tun sie es mit Exzellenz. Aber ohne Perfektionismus.


4. Tun Sie jeden Tag mindestens eine „wichtige“ Sache mit Hingabe.

Achten Sie darauf, dass Ihnen die dringenden Dinge nicht so viel Zeit rauben, dass Sie keine Zeit mehr für wichtige Dinge haben. Ein Tag, an dem Sie Ihrem Ziel nicht näher gekommen sind, ist ein verlorener Tag. Sie wären dann zwar beschäftigt, aber eben nicht wirksam.


5. Messen Sie Ihre Tagesleistung nicht an Bewegung, sondern an der Fortbewegung.

Am Ende eines Tages sollten Sie kurz innehalten und den Tag bewerten. Messen Sie ihn aber nicht aufgrund der Anzahl abgearbeiteter To-Do’s, sondern daran, ob Sie Ihrem persönlichen oder unternehmerischen Ziel näher gekommen sind.


So, das war’s wieder für heute. Ich hoffe, ich konnte ihnen einen kleinen Denkanstoß geben. Wenn Sie anders darüber denken oder etwas ergänzen möchten, freue ich mich natürlich wie immer über einen freundlichen Kommentar. 


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Frank Feldhaus

Über den Autor

Berater für Führung und Organisation. Ärgert sich über alles was nicht funktioniert. Weiß aber, dass Perfektion schrecklich langweilig ist und dass wir Probleme brauchen, um daran zu wachsen. Ein ewiger Widerspruch...


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