„Wir finden keine AZUBIs“ – wacht endlich auf!

In der Bremer Lokal-Ausgabe der BILD von letzter Woche erschien ein Bericht darüber, dass in Bremen noch 414 Ausbildungsstellen unbesetzt seien. Die Fakten in Kürze: In Bremen werden noch in folgenden Bereichen Auszubildende gesucht:
94 als Verkäufer im Einzelhandel,
33 als Bäckerei-Fachverkäufer, 
20 als Berufskraftfahrer.

Drei Unternehmer kommen zu Wort. Der Tenor: Es bewirbt sich einfach keiner. Und die sich bewerben, sind untauglich. 

Hallo? Wann wachen diese Unternehmer endlich auf?

Seit 1990 sank die Zahl der Neugeborenen von ca. 900.000 auf ca. 650.000 im Jahr 2010. Dazu sank der „Wanderungssaldo“ (also der Saldo zwischen der Anzahl der Zugezogenen und Weggezogenen) von ca. 800.000 (1992) auf ca. 400.000 (2012), zwischendurch war der Saldo sogar negativ, d.h. es sind mehr Menschen aus Deutschland weggezogen als zugezogen.

Das bedeutet schlicht: weniger junge Leute, die eine Ausbildung beginnen können. Das bedeutet theoretisch: weniger Auszubildende für alle. Sehr theoretisch. In der Praxis bedeutet es: Attraktive Ausbildungsbetriebe bekommen immer noch die Anzahl von Auzubildenden, die sie suchen und sichern damit ihre Zukunft. Der Rest geht leider leer aus oder muss  mit dem Vorlieb nehmen, was die attraktiven Ausbildungsbetriebe nicht einstellen wollen.  

Und schon geht es los, die Beschwerden über Ausbildungssuchende, die den Anforderungen nicht genügen. Oder das Jammern darüber, dass keine Bewerbungen mehr eingehen.

Den jungen Leuten reicht es heute nicht mehr, nur einen Ausbildungsplätze zu haben. Ein Freund erzählte mir, wie er mit seinem Sohn Ausbildungsbetriebe abgefahren ist, damit sein Sohn die vorbereiteten Berwerbungen eigenhändig abgeben konnte. Als sie auf ein Betriebsgelände fuhren, winkte sein Sohn gleich ab: „Hier will ich nicht arbeiten.“ Vater: „Aber das ist ein erfolgreiches Unternehmen!“; Sohn: „Aber hässlich!“.

Also: Es ist nicht mehr genug, auf die richtigen Bewerber zu warten. Unternehmen müssen attraktiv sein für Bewerber, sie müssen sich auf die gestiegenen Anforderungen einlassen. Und damit meine ich keine Hochglanzprospekte, die man auf Jobmessen verteilt. Solange diese Hochglanzprospekte nicht die Wahrheit sprechen, werden das die jungen Leute herausfinden. Über soziale Medien können sie sehr einfach Kontakte zu Mitarbeitern der Unternehmen aufnehmen und sie nach ihrer ehrlichen Meinung fragen. Das Tückische dabei: Dieser Austausch bleibt für das Unternehmen unsichtbar. Es kann dazu führen, dass Bewerbungen ausbleiben, ohne dass die Ursache klar wird. 

Was also tun? Weiterhin klagen und jammern? Ja, auch ein Weg. Besser: Steigerung der Attraktivität, Transparenz in die Meinung der Mitarbeiter bringen und ein offenes, ehrliches Führungsverhalten und zeitgemäße Organisationsformen einführen. 

Sonst werden manche Unternehmen schlicht und einfach langsam veralten und in letzter Konsequenz untergehen.

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