Unterschiedliche Führungsstile in Unternehmen und im Ehrenamt?

Wer ein WOFÜR im Leben hat, der kann fast jedes WIE ertragen.
(Friedrich Nietzsche) 

Neben meiner Tätigkeit als Berater für „normale“ Profit-orientierte Unternehmen berate ich ebenfalls Non-Profit-Organisationen, Gemeinden und soziale Werke. Ich erlebe dabei oft folgendes Phänomen:

Da wird in ehrenamtlichen Werken Führungsverantwortung an Personen übertragen, die „im normalen Leben“ gestandene Manager sind. Und diese scheitern dann im Ehrenamt kläglich.
Umgekehrt sehe ich, dass Menschen, die in sozialen Werken gute Führungskräfte sind, auch in Unternehmen geachtete Führungskräfte sind.

Gibt es unterschiedliche Führungsprinzipien in der Wirtschaft und in ehrenamtlichen Werken?

Meiner Meinung nach: Nein!

Aber die Durchschlagskraft falscher Führung ist im bezahlten Beruf weniger stark als im Ehrenamt. Die Hemmschwelle ehrenamtlicher Mitarbeiter, sich einer unangemessener Führung zu entledigen („mach‘ deinen Sch…. allein“) ist wesentlich geringer als in der Wirtschaft, wo die Konsequenz dieser Entscheidung stärkere Folgen hätte. Das letzte Führungsmittel „mach‘ es oder du bist entlassen“ zieht im Ehrenamt nicht, wohl aber im bezahlten Beruf – jedenfalls kurzfristig.

Menschen arbeiten in Ehrenämtern weil sie einen Sinn darin sehen. Oft können sie auch genau ihre spezifischen Leidenschaften in diese Tätigkeiten einbringen. Sinn und Leidenschaft treffen also aufeinander – eine unschlagbare Kombination für erfolgreiche Arbeit! Dafür sind sie bereit, in erheblichen Maß Zeit und Kraft zu investieren. Als Lohn erwarten sie Anerkennung, Zugehörigkeit zu einer Gruppe und vor allem das Gefühl von Sinn. Führungskräfte im Ehrenamt wissen das und bieten daher auch Sinn und Anerkennung. Sie kommunizieren das WOFÜR und die Mitarbeiter können daher das WIE ertragen.

Menschen in Unternehmen sind auch auf der Suche nach sinnvoller Tätigkeit. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht nach Sinn in sich. Leider ist die Realität in manchen Unternehmen anders. Oft konzentriert sich die Führung auf die Durchsetzung von Anweisungen, ohne den Blick für das Ganze zu vermitteln. Man zieht sich darauf zurück, dass man als Führung das Weisungsrecht inne hat. Man erklärt nicht das WOFÜR, und die Menschen müssen dennoch das WIE ertragen. Ich erinnere an die Untersuchung von StepStone, die herausgefunden haben, dass selbst ein Drittel der Fach- und Führungskräfte die Ziele des eigenen Unternehmens nicht bekannt sind. Wohin soll man denn gehen, wenn man das Ziel nicht kennt? Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen: Unzufriedenheit, Verweigerung, Dienst nach Vorschrift bis hin zum Born-Out (der ja hauptsächlich dadurch entsteht, dass man „Ja“ sagt und „Nein“ meint) sind die Folgen. Das ist der Felix-Magath-Effekt – kurzfristig durchaus erfolgreich, aber langfristig schädlich. Und wer will als Führungskraft seine Mannschaft jubeln sehen – wenn man das Unternehmen verlässt? Oder Mitarbeiter an den Wettbewerb verlieren?

Führungskräfte, die das WOFÜR erklären, haben langfristig „gesündere“ Mitarbeiter. Und glänzen auch im Ehrenamt.

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