Teamfähigkeit nervt – nie wieder Mittelmaß!

In Stellenangeboten ist immer noch die „Teamfähigkeit“ eines meist gefragtesten Eigenschaften potentieller Mitarbeiter.
Und unter „Teamfähigkeit“ versteht man meist das leise, reibungslose Einbringen in vorhandene Teamstrukturen.
Aber bringen uns diese Teamfähigkeit weiter? Können teamfähige Mitarbeiter den Unterschied machen und zu besseren Lösungen führen also die, die der Wettbewerb eh schon gefunden hat? Oder brauchen wir auch kompetente „Eigenbrödler“?

Schaut man in Unternehmen, werden bei Weitem nicht alle Aufgaben von Teams bearbeitet, sondern von Einzelpersonen.
– Ein Verkäufer holt den Kundenauftrag, kein Team.
– Ein Lagerarbeiter kommissioniert den Kundenauftag, kein Team.
– Ein Buchhalter kontrolliert den Zahlungseingang, kein Team.
– Ein Einkäufer kümmert sich um den Warennachschub, kein Team.
Sicher arbeiten alle in Gruppen oder Abteilungen mit mehreren Kollegen, aber das ist keine Teamarbeit, sondern nur eine Organisationsform.
Diese Feststellung relativiert schon mal die Forderung nach Teamfähikeit. Wir brauchen sie in normalen Linienfunktionen nicht wirklich.

Etwas anders liegt da die Arbeit in Projekten. Oberflächlich betrachtet werden hier Lösungen im Team erarbeitet und realisiert. Unter der Oberfläche setzen sich aber Teams aus Mitarbeitern mit unterschiedlichen Zielsetzungen zusammen. Gruppenzwänge und -dynamik sind weitere, meist ungute Einflussfaktoren. Mitarbeiter, die schon mal wegen einer abweichenden Meinung bloßgestellt wurden, halten lieber den Mund oder vertreten die gängige Meinung.

Zudem steigt die Anzahl von erarbeiteten Lösungen nicht proporional mit der Anzahl beteiligter Personen an.
Fragt man also eine Person nach einer Problemlösung, erhält man höchstwahrscheinlich einen Vorschlag. Ist diese Person kompetent, bekommt man eine kompetente Lösung.
Fragt man in einem Team von 10 Personen, bekommt man garantiert keine 10 Antworten. Durch opportunes Verhalten und Zurückhalten von Herrschaftswissen (je nach Zielsetzung der einzelnen Teammitglieder) erhält man vielleicht 5 Lösungsvorschläge, die man dann zu einem Kompromiss verarbeitet. Das kann dann nicht mehr kompetent sein, höchstens Mittelmaß.

Was ist der Ausweg?
Treffen sie die Entscheidung „nie wieder Mittelmaß“ und leisten sie sich einen oder mehrere kompetente Eigenbrödler / Querdenker / unabhängig Denkende. Möglichst noch introvertiert geprägt! Sorgen sie dafür, dass sie sich Gehör verschaffen können.
Und nicht alle Fragestellungen sind für Teamarbeit geeignet – oder würden sie es gerne sehen, wenn der Chefarzt im Krankenhaus die bei ihnen bevorstehende OP mit seinem Team diskutiert?
Vertrauen sie auch mal kompetenten Eigenbrödlern.
Gelebte Unterschiedlichkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für Lösungen oberhalb des Mittelmaßes!

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