Stoppen Sie Workaholics!

In der Personalauswahl ist man sich eigentlich einig, dass extreme Ausschläge bei Persönlichkeitsmerkmalen eher nicht gesucht werden. Zum Beispiel achtet man darauf, dass (potentielle) Mitarbeiter weder besonders schlampig noch extrem ordnungsliebend sind. Weder extrem introvertiert noch extrem extrovertiert.
Leider macht das Merkmal „Fleiss“ hier eine Ausnahme. Klar, niemand sucht faule Mitarbeiter. Aber Workaholics – das kann doch einem Unternehmen nur dienen, oder? Die Vorstellung, ein Mitarbeiter ist morgens der Erste, abends der Letzte. Immer ansprechbar, auch nach (spätem) Feierabend und an Wochenenden ist doch verlockend.

Mein Rat dagegen: Stellen Sie NIEMALS einen Workaholic ein.

Und setzen Sie vorhandenen Workaholics unmissverständliche Grenzen.

Warum?
Workaholics lieben ihre Arbeit. Sie finden ihre Bestätigung darüber, Struktur für ihren Tag und Identität. Arbeit ist oft wichtigster Inhalt ihres Lebens. Darum sind sie auch noch spät abends in der Firma zu finden. Und genau darum  haben sie keine Motivation für effizientes Handeln.
Anders Menschen, bei denen Arbeit nicht alleiniger Lebensinhalt ist und die sich auf den Feierabend freuen können, weil es wirklich etwas zu feiern gibt. Denn die müssen ihre Arbeit in einer vorgegebenen Zeit schaffen und müssen daher effizient und fokussiert arbeiten (der gute alte Parkinsonsche-Effekt).

Zudem vergiften Workaholics ihr Umfeld.
Sie rauben anderen Kollegen ihre Effizienz. Meetings brauchen nicht zwangsläufig produktiv zu sein, man kann ja noch eine Stunde dranhängen. Gemeinsame Berichte finden nie einen Abschluss, sie können ja noch „nach Feierabend in Ruhe“ besprochen werden. Und wenn Kollegen um 18:00 Uhr gehen, bekommen sie ein „wie, heute nur halbtags?“ mit auf den Weg. Obwohl diese Kollegen vielleicht mehr geschafft haben als der Workaholic.

Warum finden wir so viele Workaholics in unseren Unternehmen?
In unserem Führungs- und Organisationsdenken stecken wir leider oft noch tief im Industriellen Denken gefangen – so, wie wir es auf unseren Hochschulen und Universitäten seit mehr als 40 Jahren unverändert aber falsch lernen. Aber die Gleichung „1 Arbeitnehmer schafft in einer Arbeitsstunde 1 Aufgabe. In 8 Arbeitsstunden also 8 Aufgaben und in 10 Arbeitsstunden daher 10 Aufgaben“ mag für Fließbandarbeiter stimmen, nicht aber für Bürojobs.

Ich liebe Mitarbeiter, die in gewisser Weise „faul“ sind. Weil sie es hassen, Dinge mehrfach anzufassen. Weil sie ihre Zeit nicht mit unnützen Dingen verschwenden wollen. Weil sie Aufgaben möglichst schnell zu Ende bringen wollen. Weil sie das als Inhalt ihrer Arbeit verstanden haben: nicht das Beschäftigt sein, sondern das Lösen von Problemen.

Wir müssen die wirkliche Produktivität von Mitarbeitern messen, nicht deren Anwesenheit. Wir müssen weg vom Input-Denken hin zu Output-Denken. Oder wie unser frühere Bundeskanzler Helmut Kohl so schön sagte: Wichtig ist, was hinten rauskommt.

In einer meiner ersten Jobs hatte ich einen Senior-Chef, der um 18:00 Uhr durch das Unternehmen ging. Jeder Mitarbeiter, der dann noch anwesend war, brauchte eine gute Ausrede. Der Chef vermutete dann eines von zwei Problemen: Entweder, der Mitarbeiter hatte zuviel Arbeit (also Problem vom Chef), oder er arbeitete nicht effizient genug (also Problem vom Mitarbeiter). Und der Chef wollte wissen, um welches Problem es sich handelt und dieses Problem lösen!

Was meinen Sie: Sind Workaholics Segen oder Fluch?

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