Lernen vom Restauranttester

Ich bin nicht so der TV-Serien-Seher. Aber eine Serie mag ich: Rosins Restaurants.
Ich weiss, es ist alles Fake, gespielte Realität. Das Fernsehteam fährt natürlich nicht mal eben zu einem armen, leidenden Restaurant, um dieses vor dem Untergang zu retten. Sondern viele Restaurants durchlaufen ein Casting, die Restaurants unterschreiben einen Produktionsvertrag, und wenn Frank Rosin kollabiert, weil der Koch eine Tütensoße aufreißt, dann steht ein Filmteam von mindestens 4 Leuten mit in der Küche und der Aufnahmeleiter ruft: „Stop! Das haben wir nicht richtig. Kamera näher an die Tüte und mehr Licht darauf, mehr Verzweiflung bei Herrn Rosin und alles noch mal!“. So werden bestimmt für diese Szene zwanzig Tütensoßen aufgerissen und Frank Rosin kollabiert zwanzig Mal. Und es könnte sogar sein, dass der Koch noch nie vorher eine Tütensoße aufgerissen hat und das nur tut, weil die Produktionsfirma das gerne möchte. Also alles Fake. Aber keiner macht das so gut wie Frank Rosin.

Ich mag die Sendung. Weil sie viel von Unternehmertum vermittelt. Und natürlich auch, weil Frank Rosin alles rettet und hinterher alles gut geht. Ich mag einfach Happy Ends. Ich weiß, auch die Happy Ends sind nur gespielt. Der Erfolg von Frank Rosin ist keineswegs immer real. Viele Restaurants scheitern dennoch. Klar ist auch ein bisschen Fremdschämen dabei („kann man wirklich so blöd sein und nicht wissen, wie man Spagetti kocht?“), aber tun wir das nicht alle gerne mal – zeigt es uns doch, dass wir viel schlauer sind als die Leute in diesem Restaurant.

Aber so seicht dieses Format auch sein mag, es illustriert auch für uns Unternehmer und Führungskräfte wichtige Prinzipien:

1. Habe ein klares Konzept.
Wenn auf meinem Schild über dem Eingang „Francesco’s Casa di Pasta“ steht, erwartet niemand Gyros. Wenn ein Kunde Gyros möchte, kommt er nicht zu mir. Aber wenn er Pasta möchte. Und dann erwartet er eine klare Kompetenz im Bereich Pasta- von der Küche bis zum Service.
Haben unsere Unternehmen ein klaren Konzept? Leben wir als Unternehmer und Führungskräfte dieses Konzept vor? Und kennen unsere Mitarbeiter dieses Konzept. Und leben sie es?
Nach einer Umfrage von Stepstone kennen ca. 56% der Mitarbeiter die Unternehmensziele nicht oder nicht genau. Daran müssen wir definitiv arbeiten!

2. Begeistere deine Kunden.
In einem Restaurant wollen wir uns gut fühlen. Dazu gehört eine tolle, zum Konzept passende Einrichtung, Sauberkeit, Höflichkeit und Kompetenz. Der Kunde muss sich willkommen fühlen. Alles, aber auch wirklich alles, muss das Ziel haben, den Kunden zu begeistern. Auch wenn der Kunde es gar nicht sieht. Auch eine saubere Küche dient dem Kunden.
Wie ist es in unseren Unternehmen? Sind alle Führungskräfte und Mitarbeiter, alle Prozesse darauf ausgerichtet, unsere Kunden zu begeistern? Ich stelle als externer Berater immer wieder fest, dass ich Verwirrung ernte, wenn ich bei internen Prozessabläufen nach dem Kundennutzen frage. Mir ist das ernst!

3. Sei gut.
Reiße keine Tütensoßen auf. Sondern mache etwas eigenes und beherrsche dein Thema souverän.
Wir sollten in unseren Unternehmen nur das tun, was wir wirklich beherrschen – dies aber in Exzellenz. Also lieber eine kurze Speisekarte mit Wahnsinnsgerichten haben als eine lange Speisekarte voller Durchschnitt.

Von welcher Fernsehserie lernen sie?

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