Hingabe oder Effizienz?

Manchmal geht mir das Streben nach Effizienz menschlichen Handelns extrem auf die Nerven. Effizienz ist nicht Sinn unseres Handelns. Sinn ist schlicht und einfach, unsere Arbeit erledigt zu bekommen.
Es geht dabei aber noch um die wichtige Frage nach dem „Wie“.

Als wir unseren Job gewählt haben, wollten wir (hoffentlich) genau dieses „eine Ding“ machen! Menschen ehrlich führen oder Projekte erfolgreich zum Abschluss bringen oder Holzhäuser bauen oder Menschen gesund machen oder Computerprogramme schreiben. Diesen Kern unserer Arbeit wollten wir großartig machen.
Dann starten wir in den Job und merken, dass wir nicht nur dieses „eine Ding“ machen können. Zum Job gehören leider auch „tausend andere Dinge“ die wir machen sollen, aber die uns Zeit und Kraft für das „eine Ding“ rauben. Projekt-Präsentation erstellen, in Status-Meetings sitzen, administrativen Kleinkram erledigen, mal eben eine andere Aufgabe einschieben, usw. Und je größer das Unternehmen, desto mehr müssen wir uns mit allen möglichen Bullshit beschäftigen, statt unserer eigentlichen Aufgabe nachzukommen. Um mit Lars Vollmer zu sprechen: wir tun dann nur noch so, als würden wir arbeiten.

Nur hier kommt die Effizienz sinnvoll ins Spiel: Wir wollen die „tausend andere Dinge“ so schnell wie möglich und mit so wenig Kraftaufwand wie möglich wegarbeiten, damit wir Zeit für unser „eines Ding“ haben.

Aber unser „eines Ding“ sollten wir mit Hingabe machen statt mit Effizienz!

Gute Dinge brauchen Hingabe und Zeit. Sei es ein gutes Essen (ich könnte heute Abend frischen Fisch auf einem Kräuterbett mit karamellisierten Tomaten machen. Na gut – ein Joghurt tut’s auch). Ein guter Espresso (OK – gefriergetrockneter Kaffee ist bequemer). Oder Kleidung (das bügelfreie Hemd ist hässlich – aber bügelfrei…). Oder eben unsere eigentliche Arbeit, unser „eines Ding“.
Es ist unsere Lebensentscheidung, ob wir den Aufwand betreiben, die für uns wichtigen Dinge mit Hingabe und großartig zu tun!

Aber die Art und Weise, wie wir die uns wichtigen Dinge erledigen, prägt uns. Sie macht einen Teil unseres Charakters aus. Wir sollten nicht zulassen, dass es Teil unserer Persönlichkeit wird, dass wir Dinge nur noch effizient, aber nicht großartig machen!
Niemand kann stolz darauf sein, wichtigen Dinge nur mittelmäßig aber effizient erledigt zu haben.
Aber Arbeit mit Hingabe mach Spaß. Sie erfüllt uns, macht uns glücklich und langfristig auch erfolgreich.

Fehlt die Hingabe, werden wir nur noch zu Bürozombies. Zu lebenden Robotern. Und tun alles nur noch, weil es von uns verlangt wird. Aber das Herz schlägt nicht mehr dafür.
Bürozombies locken keine Kunden an. Sie verbessern nicht das Betriebsklima. Sie sind nicht mal „klimaneutral“, sondern „klimaschädlich“. Organisationen, die nur Bürozombies haben, werden langfristig selbst zu Zombies – und die sind weder innovativ noch anziehend für Kunden oder neue Mitarbeiter.

Pragmatische Menschen meinen zwar, Arbeit müsse keinen Spaß machen und Arbeit sei auch nicht dafür da, uns Sinn zu vermitteln. Mag sein. Aber schöner wäre es schon…

„Es ist reine Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu tun.“
Madonna Louise Veronica Ciccone

Menschen mit Hingabe machen einen Unterschied. Sie merken es sofort. Ich liebe es jedenfalls, solchen Menschen zu begegnen.
Der Call-Center-Mitarbeiterin, die mit ihrer ehrlicher Fröhlichkeit den Ärger der langen Warteschlange wegbläst. Der Supermarkt-Kassiererin, die mich freundlich registriert (ha, ein Wortspiel!). Der Handwerker, der zwar muffelig ist, aber einen tollen Job macht. Mein Briefträger. Immer gute Laune. Selbst bei miesem Wetter. Der Kollege, der zwar schon wieder seinen Projektstatus zu spät abgegeben hat, aber dafür eine Tolle IT-Lösung für den Kunden geschaffen hat.

Menschen mit Hingabe sind eine Wohltat!

Warum fordern wir dann von unseren Mitarbeitern nicht einfach mehr Hingabe?
Weil es nicht funktioniert. Jeder hat den Wunsch, mit Hingabe zu arbeiten. Hingabe kann man nicht vorschreiben, nur zulassen bzw. verhindern.

Wir müssen in Unternehmen wieder Arbeit mit Hingabe erlauben. Wir als Führungskräfte müssen es vorleben. Und unsren Mitarbeitern Raum dafür geben. Das heißt schlicht und einfach: lassen wir unsere Mitarbeiter mehr ihre eigentliche Arbeit tun, statt ihnen Aufgaben aufzuhalsen, die sie von der eigentlichen Arbeit abhalten.

Seien sie gut!

Click Here to Leave a Comment Below

Leave a Reply: