Führen durch Vorbild? Ich mach’ was ich will!

Eltern kennen das: man kann reden und reden, Kinder machen uns doch alles nach. Sie orientieren sich an unserem Verhalten, nicht an unseren Worten! Kinder demaskieren traumwandlerisch sicher die Lücke zwischen dem was wir sagen und dem was wir tun.
Ähnlich ist es bei uns Führungskräften. Unsere Mitarbeiter orientieren sich in erster Linie an unserem Handeln. Wenn wir nicht so handeln wie wir reden, erzeugen wir ein unklares Führungsverhalten und bekommen verunsicherte Mitarbeiter.

 

Vor einigen Monaten habe ich bei einem Kunden einen Workshop zum Thema „effektive Meetings“ gehalten. Die klassischen Punkte wie „pünktlich anfangen“, „halte dich kurz“, „konzentriert mitarbeiten und nicht nebenbei am Smartphone / Laptop arbeiten“ hatte ich gerade durch, da erschien ein Manager – also mit ca. 30 Minuten Verspätung. Er setzte sich und klappte zuerst seinen Laptop auf, um Emails zu checken. Danach riss er das Wort an sich und schwadronierte über 15 Minuten über die Wichtigkeit effizienter Meetings.

Ich hätte den Workshop eigentlich gleich abbrechen können. An „meine“ Regeln, die vorher mit der Geschäftsführung abgestimmt waren, würde sich kein Mensch mehr halten.

 

Dieses falsche Selbstverständnis von Führungskräften sorgt für erhebliche Führungsprobleme:

1. Unerwünschtes Mitarbeiterverhalten.
Jedes Unternehmen hat einen eigenen Wertekontext. Bewusst oder unbewusst (hoffentlich aber bewusst!). Führungskräfte sollen führen. Sie sollen also Mitarbeiter dahin bringen, sich im Sinne des Wertekontextes des Unternehmens zu verhalten. Und Mitarbeiter wollen ihre Führungskräfte verstehen, damit sie in ihrem Sinne arbeiten können. Solange die Führungskraft klar die Unternehmenswerte vertritt (verbal und nonverbal), haben auch die Mitarbeiter klare Orientierung.
Redet eine Führungskraft zwar von den Unternehmenswerten, handelt aber ständig dagegen, ist die Klarheit der Führung gestört. Woran sollen sich ihre Mitarbeiter jetzt orientieren? An den „offiziellen“ Werten? Oder lieber an dem, was der Chef vorlebt – das scheint er ja besser zu finden. Oder mal so und mal so?
Diese Unsicherheit schafft Unzufriedenheit, weil die Spielregeln nicht mehr klar sind. Und als Führungskraft können sie einfach nicht mehr sicher sein, dass sie eindeutig verstanden werden und ihre Mitarbeiter sich in ihrem Sinn verhalten.
Was ist die Folge: Mikromanagement. Sie müssen permanent prüfen, ob ihre Mitarbeiter sie richtig verstanden haben und die richtigen Dinge tun. Und das ist einfach Verschwendung ihrer Kraft und Zeit.

2. Vertrauensverlust.
Vertrauen ist ein wichtiges Element in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir sind alle gerne mit Menschen zusammen, die heute zu einem Thema „ja“ sagen und das auch morgen noch so meinen. Wir vertrauen keinen Menschen, die permanent ihre Meinung ändern. Und Misstrauen ist – nicht nur in Unternehmen – ein leises aber starkes Gift. Wenn ich als Mitarbeiter mir vom Chef eine Richtlinie hole zum Verhalten in einer bestimmten Situation, muss aber damit rechnen, dass der Chef morgen darüber wieder anders denkt, muss ich mich absichern. Und diese Notwendigkeit einer Absicherung macht die einfachsten Prozesse kompliziert und träge. Dann fangen Mitarbeiter an, Entscheidungen schriftlich vom Chef einzuholen, möglichst mit großem CC-Verteiler. Mitarbeiter werden irgendwann gar keine Entscheidungen mehr selbst treffen, weil sie einfach nur falsch sein können. Nichts funktioniert mehr einfach und schnell, weil kein Mitarbeiter mehr weiss, was die richtigen Kriterien für eine Entscheidung im Sinne des Vorgesetzten ist. Also lassen sie es gleich bleiben.
Die Folge ist auch hier wieder: Mikromanagement. Sie müssen sich um alles selbst kümmern, weil kein Mitarbeiter mehr in ihrem Sinn Entscheidungen treffen kann oder mag.

Also: Achten Sie bitte darauf, dass sie als Führungskraft die Unternehmenswerte verstehen und vorleben. Nur so
– schützen sie sich vor der Notwendigkeit des Mikromanagements,
– schaffen klare Spielregeln für ihre Mitarbeiter,
– sorgen sie für ein vertrauensvolles Klima und
– legen die Grundlage für eine entspannte und effektive Führung.

Führung ist ein ganzheitlicher Job. Je besser sie Wort und Tat deckungsgleich halten, desto entspannter und effektiver können sie arbeiten!

 

Was meinen sie: Müssen sich Führungskräfte an ihre eigenen Regeln halten?
Ich freue mich über jeden Kommentar!

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